Blick in die Geschichte

Noch etwas Geschichte zu Hundisburg

Die Landschaft um Hundisburg ist reich an urgeschichtlichen Besiedlungsspuren. Die Parkkiesgrube etwa darf als die klassische Fundstelle altsteinzeitlicher Feuersteinwerkzeuge in Mitteldeutschland gelten und verbürgt eine Besiedlung vor bereits rund 200.000 Jahren. Vergleichsweise jüngeren Datums ist die so genannte >historische Quadratmeile< nördlich der eigentlichen Hundisburger Feldmark, immerhin das größte geschlossene Großsteingräberfeld Mitteleuropas. Das Großsteingrab auf dem Beberberg wurde vor 6500 Jahren ebenfalls von Ackerbauern der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur errichtet. Hochbedeutsam ist das ältere bandkeramische Erdwerk westlich der Ortslage oberhalb des Olbetals. Das Gräberfeld auf dem Galgenberg entstammt hingegen erst der älteren Bronzezeit vor rund 3700 bis 3500 Jahren. Hundisburg - der Name ist eine durch die Zeit hin entstandene Verballhorung aus Hunoldesburg - wurde urkundlich erstmals im Jahr 1140 erwähnt. Der Ort entwickelte sich im Schutz der Burg und dehnte seine Feldmark auch auf die Fluren der im Verlauf des Mittelalters wüst gefallenen Orte Nordhusen, Klein-Orthusen und Medebeke aus. Von diesen war Nordhusen die bedeutendste Siedlung. Zeugnis der einstigen Blüte des Ortes legt noch heute die imposante Ruine des romanischen Westquerwerks seiner Kirche ab. Das Tal der Beber war die einzige topographisch vorgebildete Grenzlinie der Landschaft am Nordrand der Börde und infolgedessen im Mittelalter in Abständen von zum Teil nur einem Kilometer von Burgen gesäumt. Erxleben, Altenhausen, Alvensleben und Dönstedt, Hundisburg, der Burgwall bei >Hannchens Ruh< und die Burg der Grafen von Haldensleben lassen sich in diesem Zusammenhang anführen. Dabei kam Hundisburg und Althaldensleben durch den Verlauf der Lüneburger Heerstraße mit ihren Beberfürsten eine zusätzliche strategische Bedeutung zu. Hundisburg war eine landesherrliche Burg, das heißt, sie war bis 1196 im Besitz der Markgrafen von Brandenburg, gefolgt von den Magdeburger Erzbischöfen. Die territoriale Erstarkung des Magdeburger Erzbistums manifestierte sich auch in der Zerstörung der Burg der Markgrafen von Haldensleben durch Erzbischof Wichmann im Jahr 1167, da diese Burg damals im Besitz Heinrichs des Löwen war. Der Aufgabe der erstmals 966 erwähnten Burg folgte die Gründung des Zisterzienser-Nonnenklosters 1228 unmittelbar südlich der Burgstelle im Bebertal. Hundisburg wiederum wurde in den Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbistum und den Welfen 1213 von Kaiser Otto IV. belagert. Die Burg war bis in das späte Mittelalter hinein mit Burgnamen aus Adelsfamilien der Region besetzt, denen der Ort Hundisburg  mit nachrichtlich bis zu sechs Ritterhöfen seine Entstehung als Burgmannensiedlung verdankt. Mit dem Boitzturm hat sich der gotische Wohnturm eines solchen Burgmannenhofes bis auf den heutigen Tag erhalten. Im späten Mittelalter wurden viele landes-herrliche Burgen als erbliche Mannlehen an Adelsfamilien vergeben. Auf diese Weise gelangte Hundisburg 1452 in den Besitz der Familie von Alvensleben. Ludolf X. von Alvensleben gelangte in den alleinigen Besitz Hundisburgs und baute die mittelalterliche Burganlage in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einem Renaissanceschloss um. Er führte 1554 die Reformation in Hundisburg ein und stiftete Schule (1560) und Hospital (1586). 1587 veranlasste er den Ausbau der 1218 geweihten St. Andreas-Kirchs, in der sich sein von Jürgen Röttger aus Braunschweig errichtetes Alabasterepitaph als bedeutendstes Zeugnis der Blütezeit Hundisburgs in der Renaissance erhalten hat. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges begann unter Johann Friedrich III. von Alvensleben (1657 - 1728), einem weltoffenen und kunstsinnigen Herrn, eine neue Blütezeit. Der  einflussreiche  Geheime  Rat  des Braunschweiger Herzogs Anton Ulrich und des Preußischen Königs Friedrich 1. erreichte den Höhepunkt seiner Laufbahn als  Minister Georgs 1. in Hannover. Johann Friedrich von Alvensleben hatte weitreichende Beziehungen. Er korrespondierte beispielsweise auch mit dem berühmten Philosophen und Universalgelehrten Gottfried Wilhelm von Leibniz, der 1704 Hundisburg besuchte. Johann Friedrich von Alvensleben veranlasste auch den kunstgeschichtlich bedeutsamen Bau des Barock-Schlosses (1693 - 1712) mit seinen ausgedehnten Gärten (1699 - 1719) durch den braunschweigischen Landbaumeister Hermann Korb, ließ 1704 die Schule erneuern, 1708 die Kirche erweitern, 1717 das Hospital und 1720 das Pfarrhaus erbauen. Unter seinen Nachfahren erhielt der Garten mit dem Pariser Tor 1738 seinen repräsentativen Abschluss, 1753 wurde der Neue Schloßkrug, 1760 das Pfarrwitwenhaus neu erbaut. Auch das Kloster in Althaldensleben wurde im Verlauf des 18. Jahrhunderts nahezu vollständig baulich erneuert. Die genauen Baudaten haben sich nicht überliefert. Nachdem der Siebenjährige Krieg bereits die Grundfesten der Epoche erschüttert hatte, wurden die althergebrachten Herrschaftsverhältnisse in der Napoleonzeit abgelöst. Das Kloster in Althaldensleben wurde 1810 säkularisiert. Die Familie von Alvensleben ging 1811 in Hundisburg bankrott und verkaufte ihren Besitz an den Magdeburger Großkaufmann und Tabakhändler Johann Gottlob Nathusius (1760 - 1835), der bereits im Jahr zuvor Althaldensleben erworben hatte. Nathusius nutzte die Möglichkeiten seiner Zeit und gründete auf seinen beiden neuerworbenen Gütern eine Fülle von Veredelungsbetrieben, die er in der Struktur eines frühkapitalistischen Konzerns vereinigte. Bereits 1813 besaß er die fortschrittlichste Rübenzuckerfabrik Preußens, nur ein Beispiel aus über dreißig von ihm begründeten so genannten >Gewerbeanstalten<: Brauerei, Brennerei, Stein- und Gipsbrüche, Kupferschieferabbau und Verhüttung, Eisengießerei und Maschinenbau, Stärkefabrik, Ziegelei und Töpferei, eine Porzellanmanufaktur und eine Lithographische Anstalt - die erste im Norden Deutschlands - zeigen die hier versammelte Vielfalt, die als die Keimzelle der späteren Industrieentwicklung in Haldensleben und Magdeburg gelten darf Zu den frühen Industrieanlagen gesellte sich frühe Industriekritik. Karl Leberecht Immermann verarbeitete Nathusius und seine Gewerbeanstalten zu der Romanfigur des >Onkels< in seinem 1836 erschienenen Zeitroman >Die Epigonen< Erhaltenes Zeugnis dieser Zeit ist allerdings keine Fabrik, sondern der große, Althaldensleben und Hundisburg verbindende englische Landschaftsgarten, den Nathusius zusammen mit einer der bedeutendsten Baumschulen Norddeutschlands seit dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts anzulegen begann. Rosseauinsel und Napoleonsweide sind noch heute Ausdruck einer den Idealen der französischen Revolution und dem >Empereur< zugeneigten Geisteshaltung des Parkschöpfers.Hundisburg und Althaldensleben wurden nach dem Tod Nathusius 1835 unter zweien seiner Söhne, Hermann Engelhard und Philipp von Nathusius geteilt. Während Hundisburg zum landwirtschaftlichen Mustergut mit der ältesten Merino-Stammschäferei in Deutschland wurde, bot Althaldensleben mit Bettina von Arnim und Hoffmann von Fallersleben bedeutenden Vertretern des geistigen Deutschland eine gastliche Aufnahme. Neben den beiden großen Gütern nahmen auch die Orte am Aufschwung von Industrie und Technik im 19. Jahrhundert teil. Ein noch heute produzierendes technisches Denkmal dieser Entwicklung ist die Hundisburger Ziegelei, die 1882 an ihrem derzeitigen Standort gegründet wurde. Auch die >Rübenpaläste< auf den wohlhabenden Bauernhöfen im Ort entstanden seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachdem Althaldensleben bereits seit 1850 mehrfach die Besitzer gewechselt hatte, wurden im Zuge der Niederlage des Deutschen Reiches alle Güter in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Althaldensleben wurde der Bodenreform unterworfen, Hundisburg zum Volksgut. Während einer Einquartierung sowjetischer Truppen brannte am 28. November 1945 das Hundisburger Schloss in großen Teilen bis auf die Umfassungsmauern aus. In den drückenden Jahren der Nachkriegszeit und der DDR Mangelwirtschaft gelang es nicht, den Verfall von Schloss und Park aufzuhalten. Das Klausurgebäude in Althaldensleben wurde hingegen als Sitz Berufsbildender Schulen einer über die politische Wende fortdauernden Nutzung zugeführt, die erst jüngst zu einer umfassenden Restaurierung der Klausur und teilweisen Neuerrichtung der Gebäude des ehemaligen Wirtschaftshofes führte. Schloss Hundisburg, der Barockgarten und bedeutende Teile des Parks konnten im Eigentum der Stadt Haldensleben durch den Trägerverein >Kultur-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e. V. rekonstruiert, instand gesetzt und im Falle der Bauten auch schon neuen Nutzungen zugeführt werden. Bereits jetzt lässt Hundisburg mit dem Schloss, seinen Garten- und Parkanlagen, der Ziegelei und den übrigen Sehenswürdigkeiten seine wachsende Bedeutung als einer der wichtigen Tourismus- und Kulturstandorte des Ohrekreises erkennen.