Constantin v. Alvensleben II

Reimar Constantin v. Alvensleben

Erziehung im elterlichen Hause, 1820-23 Klosterschule Unserer Lieben Frauen in Magdeburg, dann Kadettenanstalt in Berlin. 1827 Leutnant im Kaiser-Alexander-Grenadier-Regiment, 1842 Premierleutnant, 1848 Hauptmann, 1853 Major im Generalstabe der 7. Division, 1856 zum Generalstab der 14. Division, 1857 zum Generalkommando des 7. Armeekorps, 1858 Oberstleutnant und Chef des Generalstabs des 1. Armeekorps. 1860 Chef der Armeeabteilung im Kriegsministerium und Oberst, 1861 Kommandeur des Alexander-Regiments, 1864 Generalmajor und Kommandeur der 5. Infanterie-, später der 2. Garde-Infanterie-Brigade, 1866 Kommandeur der 1. Garde-Division, 1870 Führer des 3. Armeekorps, 1871 Kommandierender General, 1873 aus dem Dienst geschieden.

Constantin v. Alvensleben ist der größte Feldherr gewesen, den sein Geschlecht hervorgebracht hat, und einer der berühmtesten Generale der preußischen Armee, als Persönlichkeit von Freund und Feind gleichmäßig anerkannt und von Bismarck geradezu als eine Personifizierung wahren Preußentums bezeichnet. Sein Ruhm knüpft sich an die Schlacht von Metz, die er 1870 als Führer des 3. Preuß. Armeekorps gewann.

Nach seinem eigenen Urteil wie nach dem der Militärgeschichtsschreiber gehörte Constantin durch Neigung und Begabung mehr der Front der Armee an als der Heeresverwaltung. Scharfer Verstand, bestimmtes und geschicktes Auftreten, Schnelligkeit im Erfassen von Situationen, persönliche Tapferkeit und Umsicht und ein nie ermüdendes Streben nach Tätigkeit, Abscheu vor dem Kleben am Herkömmlichen und eine besondere Originalität haben ihn seine lange militärische Laufbahn hindurch gekennzeichnet und seine großen und bleibenden militärischen Erfolge als Soldat und als Heerführer bestimmt. Schon beim Niederwerfen der revolutionären Unruhen in Dresden hat er sich durch Umsicht und Tatkraft ausgezeichnet. Bereits im Vorjahre hatte er es noch als Premierleutnant in der kritischen Situation des 18. März gewagt, sich bei König Friedrich Wilhelm IV. gegen eine Zurückziehung der Truppen aus Berlin auszusprechen. War es ihm als Leiter der Armeeabteilung des Kriegsministeriums 1860 nicht gegeben, sich in den parlamentarischen Kämpfen als geschickter Unterhändler zu erweisen, so bleibt ein auf Befehl des Prinzregenten 1860/61 ausgearbeitetes, bis zu einem gewissen Grade spätere Gedanken Moltkes vorwegnehmendes Projekt einer beschleunigten Mobilmachung und Konzentrierung der Armee am Rhein bemerkenswert, das jedoch nicht zur Ausführung gelangte. Als Hauptmann, als Regimentskommandeur und besonders als höherer Truppenführer von den Gedanken und Forderungen des Prinzen Friedrich Karl mannigfach angeregt, bildete er sich in den Friedensjahren zu jener militärischen Persönlichkeit eigenen Formats heran, die dann 1866 zum ersten Male Gelegenheit fand, sich in Taten zu bewähren. Schon bei Soor zeichnete er sich durch Tapferkeit und tüchtige Einzelleistungen aus. In der Schlacht bei Königgrätz erwarb er den pour le mérite. Der Feldzug 1870 stellte Constantin als Führer des 3. Armeekorps in die Reihe der größten Feldherren der preußisch-deutschen Heeresgeschichte. Bei Spichern konnte er durch rechtzeitiges Eingreifen den Sieg der deutschen Fahnen herbeiführen, auch wenn ihm ein voller Triumph versagt blieb. Die Entscheidungsschlacht von Vionville am 15. und 16. August 1870 wird immer als seine Schlacht in der Geschichte fortleben. Hier hat er gezeigt, welch entscheidende Bedeutung die kluge und glückliche Initiative eines Korpsführers für die Gestaltung eines ganzen Feldzuges gewinnen kann.

An diesen beiden Tagen hat er auch zu erweisen vermocht, daß er als Heerführer nicht nur ein geschickter Praktiker, sondern eine Persönlichkeit von hervorragender Charakterstärke und moralischer Energie war. Noch mehrmals hat der Krieg an sein Können erhebliche Anforderungen gestellt; Bei Beaune la Rolande, bei Orléans, bei Le Mans hat er diese Proben glänzend bestanden. Höchste Ordensauszeichnungen, eine Dotation von 150 000 Talern, die Benennung eines Metzer Forts nach seinem Namen, endlich die kurz vor seinem Tode 1892 erfolgte Verleihung des Schwarzen Adlerordens waren die sichtbaren Zeugnisse seines Ruhmes. So bescheiden er für seine Person war, so ehrgeizig und empfindlich war er für Anerkennung und Würdigung seiner Truppe. Hier liegt die Ursache, daß auch er nach dem 70er Kriege nur wenige Jahre noch – gleich seinem Bruder Gustav – in der Armee verblieb. In völliger Zurückgezogenheit verbrachte er seinen Ruhestand. Uniform und Orden vermied er zu tragen; auch von schriftstellerischen Arbeiten zur Geschichte seiner eigenen militärischen Leistung besitzen wir nur wenig. Von ihm stammt das Wort: „Ein preußischer General stirbt, aber er hinterläßt keine Memoiren.“ Hatte er in entscheidender Stunde des Krieges gezeigt – nach den Worten seines Generalstabsmajors v. Kretschman -, wozu der Mensch fähig ist, so bewahrte er sich bis ins hohe Alter eine Wärme und Tiefe der Empfindung, die alle Beurteiler seiner Persönlichkeit neben der Schärfe seines Verstandes immer wieder hervorgehoben haben. Das Preußische Infanterie-Regiment Nr. 52, zu dessen Chef Constantin ernannt wurde, erhielt ihm zu Ehren die Bezeichnung „v. Alvensleben“.