Gardelegen

Burg Gardelegen, in Urkunden auch die Isenschnibbe genannt, wurde im 10. Jahrhundert als Landesburg begründet. Unter ihrem Schutz entwickelte sich ab 1100 die Stadt Gardelegen, die es zu wirtschaftlicher Bedeutung brachte, ein kultiviertes Patriziat besaß und sich der Hanse anschloss. In 250 Brauhäusern braute man hier die ,,Garlei“, Norddeutschlands bestes Export-Bier. Während der Askanierzeit diente die Isenschnibbe den Markgrafen von Brandenburg als eine ihrer Residenzen. Ein Enkel Albrechts des Bären, Graf Heinrich (gest. 1190), Gründer bedeutender Kirchen, wurde nach der Burg Gardelegen benannt. Den Askaniern folgten Welfen, Wittelsbacher und Luxemburger. Lange Zeit blieb die Herrschaft unverlehnt, bis der stets geldbedürftige Kaiser Sigismund Burg und Amt 1378 den Weißen Alvensleben auf Klötze verpfändete. Die Eroberung der widersetzlichen Isenschnibbe durch Markgraf Friedrich 1. 1414 befestigte die Herrschaft der Hohenzollern in der weidlichen Altmark. l442 verwandelte Kurfürst Friedrich II. Eisenzahn den Pfandbesitz in ein erbliches Lehen. Mit dem Zoll und der halben städtischen Gerichtsbarkeit besaß die Burg bis in das 16. Jahrhundert ein halbsouveränes Verhältnis zur Stadt. Innerhalb Gardelegens verfügten die Burgherren über bedeutenden Häuserbesitz. Außerdem gehörten ihnen große Waldungen und von 31 ringsum gelegenen Dörfern einige ganz, andere zum Teil, darunter Kunrau mit weiten Moorgebieten des Drömling. Dazu kam, vor und nach der Reformation, die Schutzvogtei über das Zisterziensernonnenkloster Neuendorf mit Rechten in den zahlreichen Ortschaften des Abteibezirks. Fast sämtliche Orte des Kreises Gardelegen standen in Beziehungen zu den Herrschaften Gardelegen und Calbe. In Prozession pflegten die Herren der Isenschnibbe mit Gefolge zu den Gottesdiensten der Gardeleger Nicolaikirche zu erscheinen, in der sich noch ihre aus romanischer Zeit stammende Herrschaftsempore befindet. Der den Wohlstand erhöhende Erbanfall der Hälfte des reichen Gerichts Erxleben 1554 fand ein sichtbares Zeichen in dem kunstvollen Gardeleger Epitaph Valentins v. Alvensleben von Jürgen und Hans Röttger, einem Hauptwerk der Braunschweiger Renaissancebildnerei. Der dreißigjährige Krieg, in dem Burg und Stadt Besatzungen wechselnder Mächte wie deren Befehlshaber, darunter Pappenheim, in ihren Mauern sahen, traf Gardelegen hart. Unglück, das die Stadt auch weiterhin verfolgte, bildete den Hintergrund für die Schicksale der Burgherren. Mit einer schönen Hausfrau, Tochter des Venezianers Stechinelli, welfischen Drosten und Reichsfreiherrn auf Wickenburg, kehrte das katholische Bekenntnis um 1700 vorübergehend auf die Isenschnibbe zurück. 1831 verlegten die Burgherrn ihren Wohnsitz von der Isenschnibbe nach Weteritz bei Gardelegen, wo Lenne’ das neu erbaute Herrenhaus mit einem Landschaftspark umgab. Vermögensverfall führte 1857 zum Verkauf der Gardeleger Güter. Adolf Menzel porträtierte die letzte Burgfrau als königliche Oberhofmeisterin für das Königsberger Krönungsbild von 1863. Am Vorabend der kommunistischen Bodenreform von 1945 befand sich die Isenschnibbe im Besitz des Fürsten zur Lippe.

Das Rekonstruktionsbild, aus einem Stich Matthäus Merians entwickelt, zeigt die Stadt im Kranz ihrer Befestigungen mit Nicolaikirche, Marienkirche und Rathausturm Die heranführenden Straßen münden in das noch vorhandene Salzwedler Tor. Über der mächtigen Wasserburg ist das Kloster Neuendorf sichtbar, 1230 gegründet. Als Schirmherren ließen sich die Alvensleben dort bis zur Reformation beisetzen, später in der Askaniergruft der Gardeleger Nicolaikirche. Am rechten Bildrande erkennt man den vor 1447 von den Burgherren angelegten Boitzendorfer Teich, einen Stausee von 3 km Länge, an dessen Ufer als 1692 die Barockgärten von Polvitz entstanden; ins Hintergrunde Waldungen des brandenburgischen Hofjagdreviers Letzlingen, die - einst als ,,Gardeleger Heide“’ bezeichnet - zur Burg gehörten. Ein doppeltes Grabensystem schützte die Isenschnibbe. im Innenhof stand als ältestes Wahrzeichen der klobige Rundturm, daneben der mit einem Säulenpavillon geschmückte Brunnen. Das weitläufige Herrenhaus war drei Stockwerke hoch und barg im Kellergeschoß die noch erhaltene Burgkapelle. Alle Gebäude lehnten sich an die vieleckige Burgmauer, die vom runden inneren Graben umschlossen war, und bestanden in den Obergeschossen der Hofseite aus Fachwerk. Mit ihren wasserumgebenen Mantelmauernringen denen sich die Bauten kreisförmig anfügten, und runden Bergfrieden im Innenhof stellten Isenschnibbe, Calvörde und das ursprüngliche Calbe den älteren Burgtypus dar.“) Über ihre Vorformen ist nichts Sicheres bekannt. Die rechteckigen Anlagen prägten die Landschaft, schienen aber späteren Datums zu sein. Da die Wirtschaftsräume einbezogen waren, fehlte eine eigentliche Vorburg. Von Süden her erfolgte der Zugang über vier Zugbrücken. Vor dem durch Rundbastionen flankierten Pforthaus auf dein Wall befand sich ein ravelinartiger Zwinger. Die Burgmühle wurde l684 neu erbaut Lust- und Nutzgarten sind bezeugt, hingegen nicht ihre Lage. Wie die Festungsgräben der Stadt wurden auch die der Burg durch die Milde und den hier einmündenden Lusbach gespeist. Aus allzu fortschrittlicher Gesinnung ließ man 1756 den Bergfried und 1784 die ganze Burg abtragen. Ein spätbarockes Herrenhaus, das - umgebaut - noch existiert, bot für die historischen Bauten nur ungenügenden Ersatz.

Wassermühle 'Burgmühle Gardelegen'

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