Johann Ludwig Gebhard von Alvensleben

Johann Ludwig Gebhard von Alvensleben

(1816-1895)

Während seines Berliner Aufenthaltes verkehrt er u.a. in den Häusern Alexander von Humboldts, der Savignys. Ihn verband über die Berliner Zeit hinaus eine innige Freundschaft mit Bettina von Amirn, deren Töchtern und Söhnen. Er wird später in Wiepersdorf ein gern gesehener Gast sein.

Sein Briefwechsel * mit einigen Häuptern der Romanik wurde bis 1945 bewahrt, der heutige Verbleib konnte seitens der Familie bisher offensichtlich nicht vollständig aufgeklärt werden.

Gebhard ist gebildet, spricht französisch und italienisch, er ist kunstsinnig und künstlerisch sehr talentiert.

Er dichtet, komponiert, singt ,,mit schöner Bassstimme", dirigiert.

In Berlin komponiert er eine Kantate und Lieder nach Texten der Romantiker. Ein französisches Nachschlagewerk von 1860 würdigt Gebhard von Alvensleben als Musiker (Anlage: Übersetzung).

* Briefe werden bewahrt bei:

- Freies Deutsches Hochstift Frankfturter Goethe-Museum

- Nationalbibliothek Berlin

Im August 1843 schließt sich Gebhard von Alvensleben als ,,privater Reisemarschall" Bettina von Arnim und ihrer Tochter einer Reise nach Bad Gastein an. Er bricht die gemeinsame Rückreise in München ab, um rechtzeitig zur Konzertsaison in Leipzig zu sein. Er dirigiert als neuer Musikdirektor des Musikvereins ,,Euterpe" (1824 - 1886) die Konzerte der 20. Saison, nachdem er schon in der vorher gegangenen Saison als Dirigent mitgewirkt hatte.

1847 nach dem Tod der Mutter übernimmt er Schloss Gohlis und vergrößert das Anwesen um das dreifache wie es vor der Besitzergreifung seines           Vaters gewesen war.

Gebhard zeichnete als Gemeindevorstand von Gohlis, er bemüht sich erfolglos beim Rat Leipzigs um die Rückubertragung der Gerichtsbarkeit für Gohlis.

Am 17.7.1850 heiratet er in Leipzig Amehe Annette Sellier (1826 - 1897).

In Gohlis werden vier Kinder geboren (siehe Gemälde - Leihgabe -: Familie Gebhard von

Alvensleben vor dem Gohliser Schlösschen, F. Souchon).

Ein Porträt Gebhards, gestiftet von seinem Sohn Richard, zeigt ihn um 1860 - 70.

1863 veräußert er Gut und Schloss Gohlis.

1872 kauft er das Rittergut Falkenberg in Hessen, das er bis ins hohe Alter verwaltet.

Sein Lebensabend war durch ein Gehörleiden überschattet.

Am 26.4.1895 stirbt Gebhard von Alvensleben in Kassel.

 

Gebhard als Musiker

Die beigefügte Ablichtung einer Pariser Veröffentlichung aus dem Jahre 1860 darf als autorisierte Bestätigung seiner Professionalität auf dem Gebiet der Musik betrachtet werden.

In Robert Schumanns Tagebüchern befindet sich unter dem 19. Januar 1843 der Eintrag:

,,Früh Matinee' von Alvensleben"

Die Konzerttätigkeit der ,,Euterpe" findet allgemein ein positives Presse-Echo in Leipzig, Robert Schumanns Urteil über die Orchesterleistungen der ,,Euterpe" sei stellvertretend zitiert:, Die Ausführung der Syniphonien und Ouvertüren gibt der in den Gewandhausconcerten nicht viel nach, natürlich, da es meist Musiker von daher sind. Spielt man dort mit mehr Respekt, so hier mit mehr Keckheit; steht dort der Direktor felsenfest im Tempo, so geht es hier in einem Beethoven' schen Scherzo über Kopf und Hals dem Ende zu.

Es rundet das Bild ab, wenn wir eine weitere Pressenotiz übernehmen.

Zitat: ,,Sie spielten und spielen auf Teilung. Bei dem geringen Eintrittspreis und den bedeutenden Kosten kam dann wohl vor, dass sie am Ende der Saison zuweilen ganz umsonst gespielt hatten oder gar noch zur Bestreitung der Kosten aus ihrer Tasche beitragen mussten."

Sie belegt, dass Musiker und Dirigenten neben interpretatorischer Qualität ein hohes Maß an Idealismus einzubringen hatten.

Im Oktober 1844 geht Gebhard von Alvensleben nach Paris, scheidet aus dem Musikleben Leipzigs aus, das ihm Gelegenheit gegeben hatte, mit Persönlichkeiten umzugehen, deren Namen deutsche Musikgeschichte schrieben oder bis heute Weltgeltung haben.