Kaiser

Der Kaisertitel im Fränkischen Reich und in Deutschland

Nach dem Untergang des Weströmischen Reichs und der Absetzung seines letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahr 476 riss die Kaisertradition im Westen zunächst ab. Die Kaiserkrönung des Frankenkönigs Karls des Großen am Weihnachtstag des Jahres 800 in Rom wurde von seinen Zeitgenossen aber als Wiederherstellung des Römischen Reichs (restauratio imperii) betrachtet. Im Jahre 812 erlangte Karl der Große schließlich die Anerkennung der Gleichrangigkeit seines Kaisertitels auch vom byzantinischen Kaiser. Karl nannte sich serenissimus Augustus a deo coronatus magnus, pacificus, imperator romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei rex Francorum et Langobardorum, "allergnädigster, erhabener, von Gott gekrönter, großer, Friede bringender Kaiser, der das römische Reich regiert, durch Gottes Barmherzigkeit auch König der Franken und Langobarden". Danach brach die Tradition des karolingischen Kaisertums nicht mehr ab. 813 krönte Karl seinen Sohn Ludwig I. zum Kaiser und 816 wiederholte der Papst diese Krönung mit der Krone Konstantins des Großen. 817 krönte Ludwig wiederum seinen Sohn Lothar in Aachen zum Kaiser. Nach Ludwigs Tod erhält dessen Sohn Ludwig II. die Kaiserkrone. Nach einem Zwischenspiel, in dem die Kaiserkrone wieder mit Karl dem Kahlen an das westfränkische Reich fällt, gewinnt Karl der Dicke die Kaiserkrone wieder für das ostfränkische Reich, für das Arnulf von Kränten im Jahre 896 vom Papst zum Kaiser gekrönt wird.

In dieser Tradition des römischen und des Ostfrankenreichs sah auch der deutsche König Otto der Große seine Kaiserkrönung mit der Reichskrone im Jahr 962. Daher betrachteten sich alle deutschen Herrscher bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 als Nachfolger der römischen Caesaren und als weltliche Oberhäupter der Christenheit. Zwischen ihrer Wahl und ihrer Krönung zum deutschen König trugen sie den Titel "Römischer König". Dies war daher auch der Titel der Thronfolger, sofern sie schon zu Lebzeiten ihres Vorgängers gewählt worden waren. Zum "Römischen Kaiser" machte sie ursprünglich erst die Krönung durch den Papst in Rom. Bis auf Karl V. verzichteten allerdings seit Maximilian I. alle Kaiser auf den Romzug und nannten sich nach der Krönung in Frankfurt am Main "Erwählter Römischer Kaiser".

Auch der Titel "Augustus" ("Erhabener") blieb den Herrschern des Heiligen Römischen Reichs erhalten. Allerdings leitete man im Mittelalter, das Wort von seiner ursprünglichen lateinischen Verbform augere (für vermehren, vergrößern) her. Daher wird der Titelbestandteil "Semper Augustus" der römisch-deutschen Kaiser im Mittelalter in der Regel mit "Allzeit Mehrer des Reichs" übersetzt, in der Neuzeit auch mit "Allzeit erhabener Kaiser .

Der Titel "Deutscher Kaiser"

Einen "Deutschen Kaiser" hat es dem Titel nach im 1806 untergegangenen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation nie gegeben. Erst König Wilhelm I. von Preußen nahm 1871 als Oberhaupt des neu gegründeten Deutschen Reichs diese Titulatur an. Nur der Kaisertitel stellte gegenüber den Königen von Bayern, Sachsen und Württemberg eine Rangerhöhung dar, die diese akzeptieren konnten.

Zwischen Wilhelm I. und seinem Ministerpräsidenten Otto von Bismarck kam es noch unmittelbar vor der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 zu einer schweren Auseinandersetzung um den genauen Titel. Da der König sich weniger als Deutscher sondern als Preuße verstand, bevorzugte er den Titel "Kaiser von Deutschland". Dies hätte aber als Anspruch auf nicht zum Reich gehörige, deutschsprachige Gebiete - etwa Österreichs - ausgelegt werden können. Um dieses mögliche Konfliktpotenzial von vorneherein auszuschalten, bestand Bismarck auf die Titulatur "Deutscher Kaiser und König von Preußen".

Ergänzt wurde dieser Titel in dem von Bismarck entworfenen Manifest zur Kaiserproklamation durch einen Rückgriff auf die mittelalterliche Form des "Semper Augustus". Der neue Kaiser wurde darin bezeichnet als Allzeit Mehrer des deutschen Reiches, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.

Der letzte Deutsche Kaiser war Wilhelm II., der am Ende des 1. Weltkriegs abdanken musste.

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