Polvitz

Wer das schlichte, von Kiefern und Rasen umgebene Herrenhaus in Polvitz bei Gardelegen sieht, kann sich schon vorstellen, dass diese reizvolle Lage einst Anlass gewesen sein mag, dort einen herrschaftlichen Sommersitz zu bauen. Er lag auf der Halbinsel eines künstlichen Stausees. Beiderseits des Hauptparterres, das die Wohn- und Schlafräume enthielt, lagen der Saal und Pavillons. Die eistöckigen Gebäude bestanden aus verputztem Fachwerk mit Stuck und Holzschnitzerei. Die bleigedeckten Flachdächer waren von statuenbesetzten Balustraden umgeben, die Innenräume mit Deckenbildern, Stukkaturen und Gemälden dekoriert, eine Art improvisierter Theaterarchitektur. Bildergalerie und Orangerie formten mit dem Saalbau einen Ehrenhof. Davor lagen nach Westen beiderseits der Einfahrt die Wirtschaftsgebäude. Ein Stück des Weges nach Gardelegen wurde von einer Statuenreihe verschönt. Auf einer künstlichen Insel im Stausee der Milde standen in einem Ziergarten zwei kleine Gebäude, “Belvedere” und “Fischerhaus”. Dieses kleine Juwel der damaligen Baukunst schuf Friedrich Wilhelm v. Alvensleben 1692,“ durch die Schönheit der Lage angezogen”; er hat wohl als Vorbild Haus und Park Marly, die Schöpfung Ludwigs XIV, benutzt. Von alledem ist nichts mehr vorhanden. Das hauptsächlich aus Wald bestehende Gut mit der zu ihm gehörenden Försterei Kenzendorf, mitten im Wald an einem kleinen Wasser gelegen, gehörte bis 1945 Wilmann v. Alvensleben. Das Herrenhaus dient jetzt als Kinderheim. Die Förterei Kenzendorf und die Waldflächen sind wieder im Besitz der Alvensleben, sie wurden zurück gekauft. 

Polvitz 1921-1941

Polvitz 1871-1921

Polvitz 1950 nach der Enteignung

Ein Gedicht über Polvitz von G.L. Zarnack, Prediger zu Eimenleben, 1773

Du Polvitz, wo ein Kreis der angenehmsten Haine
Den See im Mittel Punkt des grünen Thals umschließt,
Wo alles seinen Reitz in lieblichstem Vereine
Durch die Natur und Kunst zusammfließt,
Du kleines Paradies!
Bald lockt der Tag den Fuß durch schattigte Alleen,
Der Hecken grüne Wänd', bald zu der Gärten Pracht,
Bald angenehm ermüdt auf schön bepflanzte Höhen,
Darauf ein Labyrinth den Schluß des Lustgangs macht.
Die Wassernymphe sprützt dir erste Lust entgegen,
Es rüstet sich Neptun
Schon laurt die Gondel hier, und auf dem Lust Ganale
Fährt man zur Insel hin, wo's Belvedere thront.
O’ wie entzückt bemerkt man in dem offnen Saale,
Wie um dies Sanssouci nichts als Vergnügen wohnt!