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Wer das schlichte, von Kiefern und Rasen umgebene Herrenhaus in Polvitz bei Gardelegen sieht, kann sich schon vorstellen, dass diese reizvolle Lage einst Anlass gewesen sein mag, dort einen herrschaftlichen Sommersitz zu bauen. Er lag auf der Halbinsel eines künstlichen Stausees. Beiderseits des Hauptparterres, das die Wohn- und Schlafräume enthielt, lagen der Saal und Pavillons. Die eistöckigen Gebäude bestanden aus verputztem Fachwerk mit Stuck und Holzschnitzerei. Die bleigedeckten Flachdächer waren von statuenbesetzten Balustraden umgeben, die Innenräume mit Deckenbildern, Stukkaturen und Gemälden dekoriert, eine Art improvisierter Theaterarchitektur. Bildergalerie und Orangerie formten mit dem Saalbau einen Ehrenhof. Davor lagen nach Westen beiderseits der Einfahrt die Wirtschaftsgebäude. Ein Stück des Weges nach Gardelegen wurde von einer Statuenreihe verschönt. Auf einer künstlichen Insel im Stausee der Milde standen in einem Ziergarten zwei kleine Gebäude, “Belvedere” und “Fischerhaus”. Dieses kleine Juwel der damaligen Baukunst schuf Friedrich Wilhelm v. Alvensleben 1692,“ durch die Schönheit der Lage angezogen”; er hat wohl als Vorbild Haus und Park Marly, die Schöpfung Ludwigs XIV, benutzt. Von alledem ist nichts mehr vorhanden. Das hauptsächlich aus Wald bestehende Gut mit der zu ihm gehörenden Försterei Kenzendorf, mitten im Wald an einem kleinen Wasser gelegen, gehörte bis 1945 Wilmann v. Alvensleben. Das Herrenhaus dient jetzt als Kinderheim. Die Förterei Kenzendorf und die Waldflächen sind wieder im Besitz der Alvensleben, sie wurden zurück gekauft.
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