Redekin

Das Gut Redekin wurde 1780 von den Alvensleben erworben. In den letzten Kriegstagen 1945 brannte das Gutshaus völlig aus. Heute erinnert nichts mehr an das ehemalige Rokoko-Schloß. Das Gut Redekin wurde nach der Enteignung nur teilweise aufgesiedelt. Der größere Teil, etwa 350 ha (im Durchschnitt 45 Bodenpunkte) gehörten zu einem Volksgut (VEG). Nach der Wende hatte sich Alvo-Redekin (*1924) um den Rückkauf von Siedlerflächen und eine Rückpacht der VEG-Flächen bemüht - allerdings ohne Ertolg. Die Flächen wurden einem LPG Nachfolgebetrieb zugeschlagen. Am 4.10 1992 verunglückte er tödlich zusammen mit seiner Frau Gerlind (*1929) bei einem Autounfall. Sein Sohn Joachim-Anton (*1961) hat seinen 2. Wohnsitz in Redekin genommen und bemüht sich weiter um die Rückpacht der Flächen. Ein Rückerwerb im Rahmen des EALG soll auf jeden Fall erfolgen.

 

Erbaut war das Redekiner Gutshaus 1763 durch Robert Scipio Lentulus, Reitergeneral Friedrichs des Großen. Der König kam persönlich hierher, um die Schöpfung seines Paladins in Augenschein zu nehmen. Künstler, die in Potsdam und Sanssouci gewirkt hatten, schufen den weißen einstöckigen Bau in Hufeisenform mit dem reizenden Uhrturm über der Dachmitte, auf dein eine Fortuna sich im Winde bewegte, und die Sandsteinfiguren vor der Fassade. Im nahen Walde entstand ein Naturtheater für Amateur-Aufführungen.

Der Garten wurde bühnenartig mit allerlei merkwürdigen Monumenten von unsolider Bauart besetzt, die großenteils bald wieder verschwanden. Es gab darin einen Obelisken und eine Kolonnade, der Gontardschen in Sanssouci nachgebildet, sowie eines der künstlich nachgeahmten Bauerndörfchen, wie sie gleichzeitig in Trianon und anderen Gärten Europas angelegt wurden. Bis 1945 erhielten sich ein Pavillon, der die Aufschrift ,,Sans Chagrin“ trug, die von Terracottavasen flankierte Einfahrtsallee, Bassin, Lindengang und Bosketts. Alles übrige fiel im 19. Jahrhundert der Anglisierung zum Opfer. Das Haus selbst, zu Lentulus' Zeit mit einer wertvollen Gemäldegalerie von Meistern des 17. und 18. Jahrhunderts geschmückt, bewahrte noch feine Reste des Mobiliars und der Dekoration. Die zu ebener Erde gelegenen Räume, aus deren nicht landesüblichen Schiebefenstern man rings in den Park und auf das Bassin vor dem Hause blickte, waren der Inbegriff kultivierter Wohnlichkeit.

Lentulus verließ den preußischen Dienst und verkaufte Redekin 1780 den Weißen Alvensleben, die seine Gemälde nach Erxleben überführten. Bis 1945 verblieb das Gut in der Hand einer Linie, die aus Eichenbarleben stammte. Die Räume bewahrten Erinnerungen an außergewölinliche Ereignisse und Gestalten teil. Friedrich Wilhelm IV., Wilhelm 1., Friedrich III. und Bismarck erschienen wiederholt zu Gast. Hier an der Elbe vollzog sich 1945 in der Begegnung der westlichen und östlichen Siegerheere der letzte Akt des zweiten Weltkrieges. Das Redekiner Herrenhaus brannte ab. ,,Sans Chagrin" und die Vasenallee wurden bis 1950 ebenfalls zerstört. Den heutigen Besucher erinnert nichts mehr daran, welch bezaubernde Schöpfung hier spurlos verschwand.